Kinderwunsch, Hürden und Möglichkeiten

Irgendwann im Leben kommt (fast) jeder Mensch an einen Punkt, wo er sich die Frage stellt: „Wie möchte ich mein Leben gestalten und haben Kinder darin einen Platz?“ Zugegeben, nicht jeder hat die Wahl und mancher wird durch eine ungeplante Schwangerschaft von heute auf morgen dazu gezwungen, sein komplettes Leben umzustellen. Dennoch glaube ich, dass heutzutage aufgrund der Vielzahl von sehr sicheren Verhütungsmethoden eine Schwangerschaft größtenteils planbar bleibt. Wenn ich also die Wahl habe, kann ich den Zeitpunkt doch auch so legen, wie er für mich am besten in meine Lebensplanung passt, denkt man. Dann kann zunächst die Karriere in den Gang gebracht, oder auch das Familiennest erbaut werden. So eine schöne Doppelhaushälfte im Grünen… Ach ja… Außerdem ist es heutzutage auch nicht mehr so ungewöhnlich, wenn man sein erstes Kind mit Mitte 30 bekommt. Bei mir war es ähnlich. Ich hatte schon früh einen Kinderwunsch und für mich war ganz klar: Kinder sind ein Muss in meinem Leben, nur eben nicht jetzt.

So vergingen die Jahre und der Wunsch wurde immer wieder hinten angestellt. Und merkwürdiger Weise verblasste er auch immer mehr. Als ich kurz vor meinem 32ten Geburtstag stand, habe ich mich dann noch einmal ganz bewusst mit dem Thema auseinander gesetzt und mir die Frage gestellt: Will ich überhaupt noch Kinder? Mein Leben hatte sich mittlerweile total gut eingespielt. Ich war karrieremäßig da, wo ich immer sein wollte, war glücklich verheiratet und auch sonst sehr zufrieden mit meinem Leben (und mit meiner Unabhängigkeit). Gut, ich hatte noch keine Doppelhaushälfte im Grünen, aber das war auch nicht mein größter Wunsch. Ich musste zugeben: Ich war glücklich, so wie es ist! Trotzdem hat mich der Gedanke nicht losgelassen, dass ich irgendwann bereuen könnte, es nicht zumindest versucht zu haben. Also traf ich, gemeinsam mit meinem Mann (sehr zu empfehlen, wenn man in einer festen Partnerschaft lebt) eine Entscheidung: Wir würden es versuchen! Und wenn es dann nicht klappen sollte, bräuchten wir uns zumindest diese Frage nicht mehr zu stellen. Einen Monat später hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen…

Das Thema „Kinderwunsch“ ist ein sehr individuelles Thema und kann keinesfalls verallgemeinert werden. Jeder für sich hat ganz unterschiedlich Vorstellungen dazu. Der eine will in jedem Fall, der andere nur vielleicht oder lieber gar nicht. Und oft verändert sich die Einstellung auch im Laufe des Lebens noch. Manche Menschen planen und probieren es jahrelang und werden jeden Monat aufs Neue enttäuscht, andere wiederum versuchen es und es klappt direkt beim ersten Mal. Wieder andere werden ungeplant vor vollendete Tatsachen gesetzt. Gehen wir aber einmal davon aus, dass man sich bewusst für ein Kind entscheidet, dann gibt es immer noch ganz unterschiedliche Faktoren, die diesen Wunsch unerfüllt lassen:

Physische Faktoren bei der Frau

  • Alter
  • Krankhafte Veränderungen an der Gebärmutter oder dem Gebärmutterhals durch Zysten oder Myome
  • Schädigung der Eileiter z.B. durch langjährige, unentdeckte Chlamydieninfektion
  • Verschiedene (schwere) Krankheiten z.B. Diabetes, Tumor in der Hirnanhangsdrüse etc.
  • Hormonelle Störungen (Schilddrüsenhormone, Geschlechtshormone, etc.)

Der Klassiker ist eine Funktionsstörung der Schilddrüse. Auch ich leide unter Hashimoto (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die zur Zerstörung des Schilddrüsengewebes führt und oft mit einer Unterfunktion einher geht). Die Schilddrüsenhormone steuern den gesamten Hormonhaushalt und können diesen bei einer Fehlfunktion kräftig durcheinander bringen. Was zusätzlich problematisch ist: Viele Ärzte setzen den TSH-Wert viel zu hoch an. Zwar gilt ein TSH-Wert bis < 4,0 als normal, doch um tatsächlich schwanger werden zu können, sollte der TSH-Wert aber < 2,5 sein. Am Besten, er pendelt sich irgendwo bei 1,0 ein. Um nicht zu viel Zeit ins Land ziehen zu lassen, macht es in jedem Fall Sinn, wenn ihr eure Schilddrüsenwerte bei einem fachkundigen Gynäkologen überprüfen lasst oder euch direkt an einen Endokrinologen (Facharzt für Schilddrüsenerkrankungen) wendet und in jedem Fall erwähnt, dass ihr einen Kinderwunsch habt. Wenn das Problem erkannt ist und ihr erstmal auf die richtigen Medikamente eingestellt seit (Schilddrüsenhormone zu einzunehmen ist, wenn erforderlich, nichts Schlimmes und schadet eurem Körper nicht, im Gegenteil: Ihr nehmt etwas zu euch, was der Körper sonst selbst herstellt), dann kann es unter Umständen mit der Schwangerschaft ganz schnell gehen.

  • Angeborene Fehlbildung der Geschlechtsorgane (Gebärmutter oder Eierstöcke)

Es gilt zu erwähnen, dass ich einen Uterus Duplex habe. Diese Fehlbildung weist zwei komplett voneinander getrennte Gebärmütter auf. Ich wurde, wie ihr wisst, sofort beim ersten Versuch schwanger und hatte auch früher keine Fehlgeburten. Aktuell bin ich in der 35. SSW und meine Chancen auf eine spontane Entbindung stehen gut. Da es aber eine Vielzahl von Uterus-Fehlbildungen gibt, lasst ihr euch am besten bei einem Spezialisten der Pränataldiagnostik beraten. Das habe ich damals auch getan und dieser hat genau das vorausgesagt, was eingetroffen ist: Ich könne schwanger werden und die Gebärmutter, in der sich die Eizelle einnistet, verdrängt die Andere. Also hier nicht sofort aufgeben und die Hoffnung verlieren.

Physische Faktoren beim Mann

  • Hormonstörungen z.B. Schilddrüse etc.
  • Hodenprobleme z.B. Verletzungen, Infektionen, Hodenhochstand in der Kindheit, angeborene Fehlbildungen, etc.
  • Mumpsinfektion in der Kindheit und deren Folgen

Die aufgeführten Ursachen sind nur Beispiele und können keinesfalls eine fachmännische, medizinische Beratung ersetzen. In jedem Fall macht es Sinn, wenn „es“ nicht funktioniert, zunächst mögliche körperliche Ursachen abzuklären, bevor man sich über weitere Schritte Gedanken macht.

Faktor Lebensstil

Erfreuen sich beide Partner physischer Gesundheit, heißt das noch lange nicht, dass sich ihr Kinderwunsch auch sofort erfüllt. Es gibt noch weitere Faktoren in der Lebensführung, die den Kinderwunsch ebenfalls negativ beeinflussen können:

  • Ungesunde, einseitige Ernährung z.B. zu viel Kaffee oder Alkohol,
  • Gewichtsprobleme Über- oder Untergewicht
  • Leistungssport
  • Substanzmissbrauch Zigaretten, Medikamente, Drogen
  • Körperliche und/oder psychische Belastungen z.B. Stress

Oft kommt es dazu, dass Paare sich viel zu sehr unter Druck setzen und es kein anderes Thema mehr gibt. Da wird die Temperatur gemessen, Ovulationstests Ovulationstests durchgeführt und das Sexualleben nur noch nach Termin ausgelebt. Keine schöne Vorstellung…

Wie oft hört man von Paaren, die es jahrelang versucht haben, irgendwann aufgaben und plötzlich wurden sie schwanger, als sie das Thema nicht mehr beschäftigte!? Auch wenn das manchmal leichter gesagt ist als getan: Nehmt den Druck raus, sonst wird das nichts! Die Harmonie in eurer Partnerschaft leidet darunter und ihr werdet immer unglücklicher. Erinnert euch, warum ihr zueinander gefunden habt und den Anderen liebt. Verbringt viel wertvolle Zeit miteinander, genießt das Leben und habt Sex miteinander, weil euch danach ist und nicht, weil JETZT der beste Zeitpunkt ist. Es klappt halt nicht immer sofort, aber ihr habt bestimmt auch noch viele andere schöne Dinge die euch verbinden, als nur den Kinderwunsch! Und ganz ehrlich: Genießt eure Zweisamkeit. Irgendwann bleibt dafür nicht mehr allzu viel Zeit…

Zuletzt bearbeitet: 21. Februar, 2018
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